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Gin-Sorten: London Dry, Old Tom, Navy Strength und mehr erklärt

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London Dry Gin enthaelt mindestens 70 Vol.-% Alkohol bei der Destillation und darf nur Wasser und neutralen Agraralkohol nach dem Brennvorgang zugesetzt bekommen, ein Old Tom dagegen wird gesuesst und ein Navy Strength liegt bei mindestens 57,15 Vol.-%. Wer diese drei Zahlen kennt, erkennt im Regal sofort, was im Glas landet.

Die Welt der Gin-Sorten ist unuebersichtlich geworden. Auf den Flaschen stehen Begriffe wie Reserve, Sloe, Genever oder New Western Dry, und jeder Hersteller scheint eine eigene Stilrichtung zu kreieren. Doch hinter den Marketing-Etiketten verbergen sich klare rechtliche Definitionen und stilistische Traditionen. Dieser Guide klaert die wichtigsten Kategorien.

Was Gin eigentlich ist

Gin ist eine Spirituose auf Basis von neutralem Agraralkohol, der mit Wacholderbeeren und weiteren Botanicals aromatisiert wird. Die EU-Spirituosen-Verordnung verlangt mindestens 37,5 Vol.-% Alkohol und einen vorherrschenden Wacholdergeschmack. Klingt simpel. Ist es nicht.

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Der entscheidende Punkt liegt in der Art der Aromatisierung. Bei einem einfachen Gin reicht die Zugabe von Aromen zum Alkohol. Bei den hoeherwertigen Kategorien wird der Alkohol mit den Botanicals zusammen destilliert, was den Geschmack runder und tiefer macht. Genau hier beginnen die Stilunterschiede.

💡 Gut zu wissen: Wacholder muss laut Verordnung die dominante Geschmacksnote sein. Sobald ein anderes Botanical staerker hervortritt, handelt es sich rechtlich nicht mehr um Gin, sondern um eine andere Wacholder-Spirituose.

London Dry Gin: Der Goldstandard

London Dry ist trotz des Namens keine geografische Herkunftsbezeichnung. Ein London Dry darf in Schottland, Spanien oder Deutschland produziert werden. Entscheidend sind die Produktionsregeln: Alle Aromen muessen durch gemeinsame Destillation mit dem Alkohol eingebracht werden. Nach der Destillation duerfen nur noch Wasser und neutraler Alkohol zugesetzt werden. Zucker bis 0,1 Gramm pro Liter ist erlaubt, mehr nicht.

Geschmacklich zeigt sich London Dry trocken, klar strukturiert und mit deutlicher Wacholderpraegung. Beefeater, Tanqueray und Bombay Sapphire sind die Klassiker. Sipsmith und Hayman's gelten als modernere Vertreter mit feiner Botanical-Komposition. Ein London Dry passt zu klassischem Tonic, weil seine Trockenheit dem suesslichen Tonic die Balance gibt.

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Plymouth Gin: Die geschuetzte Herkunft

Plymouth Gin ist die einzige britische Gin-Sorte mit echter geografischer Schutzbezeichnung. Er darf nur in Plymouth, England produziert werden, und seit ueber 200 Jahren tut das nur eine einzige Brennerei. Der Stil ist milder und runder als London Dry, mit erdigeren Wurzelnoten. Wacholder ist praesent, aber nicht aggressiv.

Wer einen Martini bevorzugt, der nicht zu strafend trocken wird, findet im Plymouth eine elegante Alternative. Der Alkoholgehalt liegt traditionell bei 41,2 Vol.-% und damit etwas hoeher als der EU-Mindeststandard.

Old Tom Gin: Die suesse Wiederentdeckung

Old Tom war im 18. und 19. Jahrhundert die dominante Gin-Sorte in England. Die damals minderwertige Destillation produzierte rauen Alkohol, der mit Zucker gemildert werden musste. Heute ist Old Tom eine Stilrichtung, die zwischen London Dry und Genever steht. Er enthaelt deutlich mehr Restsuesse als ein Dry Gin, oft 5 bis 30 Gramm Zucker pro Liter, und schmeckt runder, fast malzig.

Old Tom ist die historisch korrekte Basis fuer klassische Cocktails wie den Tom Collins oder den Martinez. Hayman's Old Tom und Jensen's Old Tom sind die bekanntesten Vertreter. Wer sich an die echten Originalrezepte halten will, kommt um diesen Stil nicht herum.

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Navy Strength: Die Marine-Klasse

Navy Strength bezeichnet einen Gin mit mindestens 57,15 Vol.-% Alkohol. Der Wert geht auf eine Praxis der britischen Royal Navy zurueck: Ab dieser Konzentration entzuendet sich Schwarzpulver auch dann noch, wenn es mit Gin uebergossen wurde. Das war wichtig fuer die Qualitaetskontrolle an Bord. Heute hat der Wert nur noch symbolischen Charakter, aber die Spirituose hat dadurch eine eigene Kategorie entwickelt.

SorteAlkoholSuesseCharakter
London Dry37,5-47%max. 0,1 g/ltrocken, wacholder-dominant
Plymouth41,2%leichtmild, erdig
Old Tom37,5-47%5-30 g/lsuess, rund, malzig
Navy Strengthmin. 57,15%variabelintensiv, kraeftig
Genever35-50%variabelmalzig, getreidig
New Western Dry40-47%leichtfloral, modern
Sloe Gin25-30%hochfruchtig, likoerartig

Plymouth Navy Strength mit 57 Vol.-% und Tanqueray Rangpur mit 41,3 Vol.-% sind unterschiedliche Welten. Erstere ist die klassische Marine-Variante, letztere ein moderner Crossover. Wer Cocktails mit viel Eis oder kraeftigem Tonic mixt, verhindert mit Navy Strength das Verwaessern.

Genever: Der Vorfahr aus den Niederlanden

Genever ist genau genommen kein Gin, sondern dessen Urahn. Die niederlaendische Spirituose wird aus einer Maische von Roggen, Mais und Gerste gebrannt, was ihr eine deutlich getreidige, fast malzige Note gibt. Geschmacklich liegt sie zwischen Whisky und Gin. Es gibt drei Unterkategorien: Jonge (jung, mild), Oude (alt, kraeftiger) und Korenwijn (besonders mild).

Genever ist EU-rechtlich geschuetzt und darf nur in den Niederlanden, Belgien und einigen angrenzenden Regionen produziert werden. Bols und Rutte sind die Klassiker. Wer historische Cocktails wie den Holland House oder klassische Manhattan-Variationen serviert, greift zu Oude Genever.

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New Western Dry: Die moderne Schule

New Western Dry ist die juengste Stilrichtung. Hier tritt Wacholder zugunsten anderer Botanicals zurueck, wobei die rechtliche Definition als Gin gerade noch eingehalten wird. Typisch sind floraler Touch, Zitrus-Lastigkeit oder Kraeuter-Komplexitaet. Hendrick's mit Gurken- und Rosennote war einer der Pioniere. Monkey 47 aus dem Schwarzwald gehoert ebenfalls in diese Kategorie.

⚠️ Haeufiger Fehler: New Western Dry und London Dry sind nicht austauschbar. Wer einen klassischen Negroni mit Hendrick's mixt, bekommt einen ganz anderen Cocktail als das Originalrezept vorsieht, weil der dominante Gurkenton die Campari-Bitterkeit verschiebt.

Sloe Gin: Die Liqueur-Variante

Sloe Gin ist streng genommen ein Likoer, kein Gin. Schlehen werden in einem London Dry oder einem neutralen Spirit mazeriert und mit Zucker versetzt. Der Alkoholgehalt liegt deutlich unter dem Gin-Mindestmass, meist bei 25 bis 30 Vol.-%. Geschmacklich dominiert die fruchtig-herbe Note der Schlehe.

Sloe Gin wird klassisch mit Tonic oder Champagner serviert, taugt aber auch als Aperitif pur. Plymouth Sloe Gin und Hayman's gelten als Referenzen. Wer auf edle Spirituosen mit Sammlerwert schaut, findet im Sloe-Segment dagegen kaum Investitionsstuecke.

Was die richtige Wahl ist

Fuer den klassischen Gin and Tonic eignet sich ein London Dry. Tanqueray No. Ten oder Sipsmith liegen bei 30 bis 40 Euro pro 0,7-Liter-Flasche und bieten die saubere Wacholderbasis, die das Tonic braucht. Wer historische Cocktails mixt, greift zu Old Tom oder Plymouth. Fuer kraeftige Cocktails mit viel Eis oder Saft ist Navy Strength die richtige Wahl, weil der hoehere Alkoholgehalt die Verduennung kompensiert.

New Western Dry und Sloe Gin sind keine Allrounder, sondern Spezialitaeten fuer bestimmte Anlaesse. Wer eine Bar zu Hause ausstattet, kommt mit einem soliden London Dry, einem Navy Strength und einem Old Tom durch 80 Prozent aller Klassiker. Den Rest entscheidet der persoenliche Geschmack, nicht die Sammelleidenschaft.

Veröffentlicht durch die FeineWahl-Redaktion. Veröffentlicht am 18. Juni 2026.

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